Elsässisch: eine eigenständige Sprache, zwischen Geschichte und Alltag

Im Elsass beschränkt sich die Sprache nicht auf Französisch. Hier hört man noch immer einen ganz besonderen Dialekt: das Elsässische. Mehr als nur ein Dialekt, ist er Teil der Seele der Region, der Kindheitserinnerungen und der alltäglichen Gespräche.

Eine Sprache zwischen zwei Welten

Elsässisch ist eine Regionalsprache, die von germanischen Sprachen, genauer gesagt von alemannischen und fränkischen Dialekten, abstammt und seit dem Mittelalter im Elsass präsent ist.

Man könnte also meinen, es sei Deutsch. Doch die Realität ist differenzierter. Elsässisch und Deutsch haben einen gemeinsamen Vorfahren: das Mittelhochdeutsche. Dennoch hat sich das Elsässische anders entwickelt und dabei einzigartige Merkmale bewahrt, die für jedes Dorf und jedes Tal charakteristisch sind.

Das Ergebnis: Wir sprechen nicht nur eine elsässische Sprache, sondern mehrere elsässische.

Eine Sprache, die lange Zeit vorherrschend war

Bis in die 1970er-Jahre war Elsässisch die im Elsass am häufigsten gesprochene Alltagssprache. Man sprach sie überall: zu Hause, unter Nachbarn, in Geschäften…

Auch wenn das Französische heute die Oberhand gewonnen hat, ist das Elsässische nach wie vor sehr lebendig, getragen von Generationen, Traditionen und einer echten kulturellen Verbundenheit.

Eine Sprache… die schwer zu übersetzen ist!

Das Elsässische ist so reichhaltig, weil es sich nicht immer wortwörtlich übersetzen lässt. Manche Ausdrücke sind bildlich, andere voller Humor, und manche lassen sich einfach nicht perfekt ins Französische übertragen.

Worte, die die Geschichte einer ganzen Kultur erzählen

Hier sind einige typische Ausdrücke, die insbesondere von Pascale Erharts Buch inspiriert wurden. So sagt man das im Elsass. :

  • Bissele → „ein bisschen“
    Abgeleitet vom Deutschen ein bisschenDieses Wort ist im alltäglichen Sprachgebrauch sehr gebräuchlich. Seine Aussprache ist eher offen, ähnlich wie „bessele“.
  • Dàmpfnüdle → kulinarische Spezialität
    Vorsicht vor der Falle! „Nüdel“ bedeutet zwar „Nudel“, bezeichnet hier aber eigentlich kleine, gedämpfte Kugeln aus Briocheteig.
  • Hopla! → multifunktionale Interjektion
    Ein wahres Schweizer Taschenmesser der elsässischen Sprache: Je nach Tonfall kann es „Komm schon“, „Los geht’s“, „Hoppla“ oder sogar „Bitteschön“ bedeuten.
  • Egal → „Das ist mir egal.“
    Im Elsass kann man einfach mit „gleich“ antworten, um Gleichgültigkeit gegenüber einer Wahl auszudrücken.
  • Bedienung! → „Gern geschehen“
    Eine überraschende, aber sehr häufige Reaktion nach einem Dankeschön.
  • Reißverschluss → Reißverschluss
    Ein Wort, das vom Verb „tirer“ abgeleitet ist und im Alltag sehr häufig verwendet wird.
  • Waldi → Hund (oft ein Dackel)
    Ein liebevoller Name, vergleichbar mit „Médor“, der im germanischen Raum sehr verbreitet ist.

Aber auch einige sehr lokale Besonderheiten:

  • Kleines Brot → Pain au Chocolat
    Hier gibt es keine Diskussion: Schokolade ist bereits in dem Begriff enthalten!
  • Finette → Unterhemd
    Ein französisches Wort… aber mit typisch elsässischer Verwendung.
  • Maggi → Liebstöckel / Gewürz
    Die Pflanze trägt den Spitznamen „Maggi-Kraut“, weil ihr Geschmack dem der bekannten Gewürzmischung ähnelt.
  • Melfor → Elsässer Essig
    Mild und leicht süßlich, ist es ein Muss in der lokalen Küche.

Ein Erbe, das es zu bewahren gilt

Heute wird Elsässisch weniger gesprochen als früher, aber es bleibt ein wahrer Kulturschatz.

Zweisprachige Schulen, lokale Initiativen, Veranstaltungen… alles wird getan, um die Kultur am Leben zu erhalten.