Entdeckung wilder Pflanzen im Villé-Tal

Im Elsass, insbesondere im Villé-Tal, gibt es eine Fülle essbarer und heilender Wildpflanzen. Um sie zu erkennen und zu nutzen, sei es zu medizinischen Zwecken oder zum Kochen, sind Grundkenntnisse erforderlich. In diesem Artikel stelle ich Ihnen sechs leicht zu identifizierende Pflanzen vor, die Sie bei Spaziergängen im Tal beobachten können.

Eine uralte Tradition

Jahrtausendelang lebten die Menschen vom Sammeln. Diese Praxis war keineswegs eine Randerscheinung, sondern hielt sich bis ins Mittelalter und ergänzte den Ackerbau. Der lange Zeit rudimentäre Ackerbau brachte nur bescheidene Ernten hervor, die nicht ausreichten, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Missernten aufgrund von Unwettern oder Plünderungen waren häufig. In dieser Zeit spielten Wildkräuter eine entscheidende Rolle: Sie ermöglichten den Menschen das Überleben bis zur nächsten Ernte.

Von Ablehnung zu Wiederentdeckung

Ab dem 19. Jahrhundert gerieten Wildpflanzen in Vergessenheit. Sie galten als minderwertig und archaisch und wurden in den Hintergrund gedrängt, verdrängt von landwirtschaftlichen Produkten, die als edel und wertvoll angesehen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg markierte der Aufstieg der mechanisierten, chemischen und intensiven industriellen Landwirtschaft einen radikalen Bruch mit der Natur.

Es wird mehrere Jahrzehnte und die Beobachtung der ökologischen Folgen (Wasserverschmutzung, Bodenerosion, Verlust der Artenvielfalt usw.) dauern, bis eine Rückkehr zur Natur einsetzt. Heute wächst das Interesse an natürlichen Ressourcen, und Wildpflanzen finden allmählich wieder Eingang in unsere Ernährung und Heilmittel.

Reichtum zum Greifen nah, aber nicht ohne Vorsicht

Dieses erneute Interesse geht mit einer Notwendigkeit einher: dem Bedürfnis, zu wissen, wonach man sammelt. Denn die Natur birgt nicht nur unzählige Schätze, sondern auch Gifte. Manche Pflanzen können giftig, ja sogar tödlich sein. Es ist daher unerlässlich, sich über diese Pflanzen zu informieren und idealerweise bei den ersten Sammeltouren von Experten begleitet zu werden.

So lagern Sie Ihre Ernte richtig

Geerntete Wildpflanzen können getrocknet, zu Pulver gemahlen, eingefroren, in Essig eingelegt oder milchsauer vergoren werden. Um ihre Frische zu bewahren, wickelt man sie einfach in ein feuchtes Tuch und legt sie in einen luftdichten Behälter. Im Kühlschrank halten sie sich etwa eine Woche.

Offizielles Anliegen

Die Ringelblume, auch bekannt als Gartenringelblume, ist eine seltene einjährige Pflanze im Elsass, kann aber bei genauerem Hinsehen auf Wiesen entdeckt werden. Ihre essbare und heilkräftige Blüte ist für ihre regenerierenden Eigenschaften auf Haut und Schleimhäute bekannt.

Haupttugenden: entzündungshemmend, heilend, beruhigend.

Verwendung: Herstellung eines wohltuenden Balsams bei Reizungen, Insektenstichen, rissiger Haut oder Hautrissen.

Rezept für Ringelblumenbalsam:

  • 100 g getrocknete Blüten
  • 20 g Bienenwachs

Das Wachs im Wasserbad schmelzen, etwas abkühlen lassen (unter 40 °C) und dann die Blüten hinzufügen. In ein sauberes Glas füllen. Nach dem Abkühlen verschließen.

Dornbusch

Die unter vielen Namen bekannte Hundsrose, auch bekannt als Heckenrose, Wildrose oder „Juckendes Haar“ oder „Juckender Po“, ist in Ostfrankreich weit verbreitet. Sie blüht zwischen Mai und Juni.

Haupttugenden: Stärkend, verdauungsfördernd, harntreibend, entzündungshemmend.

Verwendung: Beeren als Abkochung oder Pulver, Blüten als Aufguss.

Hagebutten sind sehr reich an Vitamin C und werden zur Stärkung des Immunsystems und zur Linderung von Gelenkschmerzen empfohlen. Die enthaltenen Tannine helfen bei der Behandlung von Harnwegs- und Verdauungsbeschwerden.

Wilde Heidelbeere

Die Heidelbeere ist im Tal, insbesondere an den bewaldeten Hängen, sehr häufig anzutreffen. Es handelt sich um eine kleine, süß-säuerliche Beere mit niedrigem Kaloriengehalt, aber hohem Nährstoffgehalt.

Haupttugenden: Antioxidans, Augenschutzmittel, verdauungsfördernd.

Verwendung: Zum direkten Verzehr, als Saft, Kompott oder getrocknet.

Eine Portion von 150 g deckt fast ein Viertel des Tagesbedarfs an Vitamin C. Die enthaltenen Flavonoide stärken die Netzhaut und verbessern die Durchblutung. Es ist außerdem ein natürliches Mittel gegen Verdauungsbeschwerden (durchfallhemmende Tannine, Reizdarmsyndrom).

Vogesen-Arnika

Die Arnika, eine Verwandte des Gänseblümchens, wächst in großen Höhen. Sie ist ein Symbol der Vogesen und wird aufgrund ihrer äußerlichen Anwendung sehr geschätzt.

Haupttugenden : entzündungshemmend, heilend, lichtschützend.

Verwendung: In Ölform (Ölmazerat) zur Linderung von Muskelschmerzen, Verstauchungen, Prellungen und Hämatomen.

Arnikaöl ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Sportlerausrüstung, insbesondere für Massagen nach dem Training. Es hilft auch bei Sonnenbrand (mehrmals täglich über zwei Tage anwenden).

Achtung: Die Ernte von Arnika ist in den Vogesen streng reglementiert.

Schwarzer Holunder

Dieser große Strauch ist im Elsass weit verbreitet. Er blüht im Frühling und trägt im Sommer sehr dunkle Beeren.

Haupttugenden: Antioxidans, Expektorans, Antitussivum, Immunstimulans.

Verwendung: Blüten in Sirup, Kräutertee oder Wein; Beeren in Gelee oder Marmelade (nach dem Kochen).

Holunderbeeren sind sehr reich an Antioxidantien (gleich nach Goji-Beeren) und ihre Blüten werden traditionell gegen Winterinfektionen (Erkältungen, Husten, Fieber) eingesetzt.

Achtung: Rohe Beeren sind leicht giftig. Sie sollten daher vor dem Verzehr immer gekocht werden.